Genießt Du es, Dich ganz dem Fluss des Lebens hinzugeben? Oder hast Du eher das Gefühl, mittendrin zu stecken und darum zu kämpfen, nicht unterzugehen? Vielleicht bist Du aber auch gerade in einer Situation, in der Du Dich abseits des Lebensflusses wahrnimmst. Das Leben fließt an Dir vorbei, während Du am Ufer stehst und ihm zusiehst.
Mit dieser Frage beschäftige ich mich immer wieder aufs Neue, vor allem auch, um zu überprüfen, ob ich noch am richtigen Weg bin. Setze ich die Prioritäten so, dass genug Raum für die Dinge und Menschen bleibt, die mir wichtig sind? Habe ich meine Ziele und Träume gut im Blick? Lebe ich die mir wichtigen Werte?
Es gibt ein paar Faktoren, die uns unser Leben als erfüllt wahrnehmen lassen. Glücksmomente kommen dann sozusagen ganz automatisch mit im Paket. Zwei Komponenten sind besonders wichtig, damit wir Erfüllung erleben: (1) die Möglichkeit, gestalten und entscheiden zu können, um unsere Kraft und unsere Wirksamkeit auf unser Leben spüren zu können, sowie (2) anzunehmen, was gerade ist, und – im besten Fall – dies auch zu genießen.
Leben wir (so gut es geht) im gegenwärtigen Moment, kommen wir an. Nicht nur im Hier und Jetzt, sondern auch im Leben. Weder tut es uns auf Dauer gut, mit unseren Gedanken ständig in der Vergangenheit festzuhängen, Geschehenes stets von Neuem durchzukauen und unsere Aufmerksamkeit immer wieder auf das, was war, zu richten, noch werden wir glücklich dadurch, dass wir ständig nur an die Zukunft denken. Wieviel Zeit verbringen wir täglich damit, uns Gedanken über das zu. machen, was kommen könnte, Probleme zu lösen, die wir vielleicht mal haben könnten, oder uns Sorgen über Entwicklungen zu machen, die wir nicht beeinflussen können?
Weder vorauszuplanen noch Vergangenes zu reflektieren, ist an sich etwas Schlechtes oder etwas, das wir nicht tun sollten. Vielleicht haben wir aber manchmal die Tendenz, zu viel über das nachzudenken, was noch kommen könnte oder geschehen sollte.
Zu viel voraus zu prognostizieren macht uns unlebendig. Anstatt im Hier und Jetzt zu leben und zu entscheiden, bringen wir uns mit unseren Gedanken in eine Art Patt-Situation, weil wir versuchen, möglichst viele Komponenten, Variablen und Szenarien zu berücksichtigen bzw. deren Entwicklung abzuschätzen. Ein solcher Umgang mit Entscheidungen und Veränderungen führt in eine innere (und letztlich auch äußere) Starre, denn wir können unmöglich abschätzen, was wie wann passieren wird, wenn wir mit unseren Gedanken zu weit in die Zukunft gehen. Entscheiden und leben können wir nur im Hier und Jetzt. Im Hier und Jetzt können wir das für uns Richtige tun, das was uns Jetzt lebendig fühlen lässt und sich Jetzt für uns richtig anfühlt.
Sind wir mit den Gedanken aber immer entweder in der Zukunft oder in der Vergangenheit, dann erleben wir uns als außerhalb des Lebensflusses. Da bin ich und da sind die anderen. Da bin ich und dort ist das, was ich will. So entsteht schnell ein Gefühl der Ohnmacht, wir meinen, nichts bewirken zu können und dem, was das Leben bringt, hilflos ausgeliefert zu sen.
Lebendig fühlen wir uns, wenn wir jetzt leben und Ziele haben, die wir jetzt aktiv verfolgen. Das Ziel mag in der Zukunft liegen, doch die Umsetzung beginnt im Hier und Jetzt. Bewegung und Entwicklung machen uns lebendig. Die eigenen Grenzen zu überschreiten, sich auch einmal aus der Komfortzone herauszuwagen, grundlegende Bedürfnisse zu achten und zu erfüllen, innere und äußere Ressourcen einzusetzen und unsere Talente und Fähigkeiten auszudrücken – all das verbindet uns mit der Energie des Lebens.
Gestalten wir aktiv unser Leben und unsere Zukunft, verwirklichen wir unsere Träume und Ziele, dann spüren wir unsere Kraft, dann sind wir mit unserer essenziellen Energie verbunden und erleben, wie wir Einfluss auf das, was in unserem Leben passiert, nehmen können. Sicher werden wir nicht immer alles beeinflussen können, das Leben wird uns auch vor Herausforderungen stellen, die wir nicht bewusst geplant und oft auch nicht gewollt haben, doch auch hier liegt die Kunst im Umgang mit dem Unvorhersehbaren darin, den eigenen Gestaltungsspielraum zu erkennen, um weder gegen Windmühlen anzukämpfen noch wie ein welkes Blatt im Fluss zu treiben.
Durch Erfahrungen, die wir gemacht haben, durch Prägungen aus der Kindheit, durch Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind, wurden wir oft schon sehr früh in unserer Selbstwirksamkeit beschränkt. Wir wurden im Ausdruck unserer Lebendigkeit gehemmt, vielleicht sogar so weit, dass wir irgendwann ganz aufgehört haben, aktiv zu gestalten und uns nur noch angepasst haben. Reagieren ist an die Stelle des Agierens getreten. Später im Leben führt dies häufig dazu, dass wir uns unserer eigenen Kraft nicht mehr bewusst sind, also gar nicht wissen, was wir alles bewirken können. Es fühlt sich dann sicherer an, in der Komfortzone zu bleiben, da wo man zwar vielleicht nicht glücklich ist, aber zumindest weiß, was man hat. Eine solche Passivität kann sich bald zu Resignation und Ohnmacht entwickeln und im Extremfall bis hin zur Depression führen.
Wie können wir uns nun selbst unterstützen, wieder mehr in den Fluss des Lebens einzutauchen und uns von ihm tragen zu lassen?
In diesem Sinne, lass uns in den Fluss des Lebens eintauchen und noch mehr Lebendigkeit ins Leben holen.
Podcast-Folge #13: Leben oder überleben