Überforderung – Wenn alles zu viel ist

Überforderung - Wenn alles zu viel ist // #18

Wir leben in einer herausfordernden Zeit, in einer Zeit, in der wir auf verschiedenste Art und Weise gefordert werden. Während ein gewisses Maß an Herausforderung durchaus gut für uns ist, ist ein zu viel an Forderung – also eine Überforderung – nicht mehr gut für uns.

Beim Thema Überforderung können wir zwei Facetten beobachten: Zum einen sind da diejenigen, die sich überfordert fühlen, denen alles zu viel ist, die über Erschöpfung klagen und auch objektiv gesehen viel zu viel um die Ohren haben. Und dann gibt es jene, die vor allem das Gefühl haben, überfordert zu sein. Bei ihnen zeigt sich eine Art Angst vor Überforderung: Ich habe mir etwas vorgenommen, habe aber Angst, dass es mir zu viel wird. Ich weiß, es stehen Veränderungen an, aber ich weiß nicht, ob ich die Kraft dafür habe. Ich würde gerne dieses oder jenes Vorhaben verwirklichen, weiß aber nicht, ob ich dem gewachsen bin.

Die Angst vor Überforderung

Es gibt also die tatsächliche Überforderung, weil wirklich zu viel gemacht und getan wird, und es gibt die Angst davor, dass es zu viel sein könnte.

Die Angst vor Überforderung vermittelt uns das Gefühl, überfordert zu sein, noch bevor wir wirklich begonnen haben, aktiv ein Vorhaben zu verwirklichen oder eine Entscheidung zu treffen. Schon die kleinen Dinge des Alltags scheinen dann zu viel bzw. so zeit- und raumeinnehmend, dass für das, was wir eigentlich umsetzen oder erreichen wollen, gar keine Kapazität mehr frei ist.

So paradox es scheinen mag, die Angst vor Überforderung will uns eigentlich vor Überforderung schützen. Ihr Ursprung liegt meist nicht in einer tatsächlichen Gefahr, überfordert zu werden, sondern in einem Gefühl des Nicht-fähig oder Nicht-gut-genug-seins, in dem Empfinden, sich etwas gar nicht erlauben zu dürfen oder die Kontrolle zu verlieren, weil es zu viel sein könnte.

Glaubenssätze und das Gefühl der Überforderung

Ob tatsächliche oder nur befürchtete Überforderung, es sind unsere Glaubenssätze, die uns zu mehr Leistung und zu hohen Erwartungen antreiben, oder uns im Gegenteil einreden, dass wir nichts bewirken können, nicht gut genug sind oder keine Ansprüche stellen dürfen.

Diese inneren Überzeugungen führen dazu, dass eigene Bedürfnisse verleugnet werden, wir gehen über unsere Grenzen bis hin zur Überforderung.

Es ist also nicht immer das Außen, das zu viel von uns fordert. Mit zu hohen Ansprüchen oder Erwartungen an uns selbst, mit dem ständigen Versuch, noch besser und fähiger zu werden, oder mit dem Anspruch, dass immer alles perfekt sein muss (allen voran wir selbst) setzen wir uns unter Druck und fordern oftmals viel zu viel von uns selbst.

Ist es wirklich zu viel? Oder reden mir das meine Glaubenssätze nur ein?

Diese Fragen dürfen wir uns stellen, wenn wir uns über längere Zeit immer wieder überfordert fühlen.

Erkennen wir, dass wir im Funktioniermodus leben, dass zu viele Aufgaben in unserer Verantwortung liegen, dass wir zu viel tun, kümmern und sorgen und kein Platz mehr für unsere Bedürfnisse bleibt, dann ist es wichtig, Grenzen zu setzen. Grenzen setzen bedeutet nicht nur Nein-sagen zu lernen, sondern auch zu erkennen, was zu uns gehört und was nicht.

Sind es allerdings schon die kleinen Dinge des Alltags, die oft zu viel scheinen, oder löst schon allein der Gedanke daran, etwas Bestimmtes zu tun oder umzusetzen, Stress in uns aus, dann geht es weniger um das Grenzen setzen als vielmehr um das Erweitern unserer persönlichen Grenzen. Innere Überzeugungen wie »Das kann ich nicht. Ich bin nicht gut genug. Andere können das besser. Ich muss die Kontrolle behalten.«vermitteln ein Gefühl der Kleinheit, es scheint falsch, für die eigenen Bedürfnisse, Träume und den eigenen Weg einzustehen.

Diese Glaubenssätze sind nicht so sehr bewusste Gedanken, auch wenn sie dies durchaus sein können, sondern Muster, die in unserem Unbewussten wirken. Vielleicht, weil uns das in der Kindheit immer wieder gesagt oder auch unausgesprochen gezeigt wurde. Als Erwachsener wird so dann schnell etwas zur Herausforderung oder gar Überforderung, fehlen doch positive Bestärkung und Ermutigung, die eigenen Fähigkeiten zu erproben.

Was also tun bei Überforderung?

Ob tatsächliche Überforderung oder Angst vor Überforderung, in beiden Fällten sind es kleine Schritte, die zur großen Veränderung führen können.

Wenn wir zu viel Verantwortung und Aufgaben übernommen haben (oder uns übergestülpt wurden), können wir nach Möglichkeiten suchen, diese nach und nach zu reduzieren. Wo kann ich Unterstützung finden? Wer könnte mir helfen? Gehört wirklich alle Verantwortung die ich trage zu mir?

Es mag einen Teil in dir geben, der nun sofort Einspruch erhebt, vielleicht meint, dass es keine Hilfe gibt, dass du auf jeden Fall weiter alles übernehmen musst. Ist es aber wirklich so?

Führt deine Selbstanalyse allerdings zur Erkenntnis, dass es vielmehr eine Angst vor Überforderung ist, die in dir Stress erzeugt, beginne zu forschen, hinter dem Stress, den schon kleine Dinge in dir auslösen, stecken könnte. Welcher alte Glaubenssatz, welche Überzeugung, wirkt hier eventuell noch in dir?

Das beste Mittel gegen Überforderung ist in jedem Fall, sich selbst gut zu kennen, zu wissen, welche Bedürfnisse und Werte wichtig für uns sind, wo unsere Stärken liegen, welche Fähigkeiten wir haben, aber auch, welche wir nicht haben. Das Risiko uns zu viel – oder auch zu wenig – zuzumuten, ist so wesentlich geringer. Wir spüren dann viel besser, wo unsere Grenzen liegen, wann wir darüber hinausgehen, aber auch wann wir sie aus Angst eventuell zu eng setzen.

 

Wenn Du Dich selbst (noch) besser kennenlernen möchtest:

Ermittlung der Seelenmatrix

 

Podcast-Folge #18: Überforderung – Wenn alles zu viel ist